Die heutige Etappe hätte direkt zu einem Aussichtspunkt in
den Bergen führen sollen. Leider war aber die Strasse für Busse gesperrt,
sodass wir einen Umweg von rund 1,5 Stunden fahren mussten, bevor wir dieses
Zwischenziel auf etwa 750 m ü Meer erreichten. Die Fahrt war jedoch sehr
kurzweilig, durch einsame Täler und ausgedehnte Pinien- und Palmenwälder. Mit
dem Fahrrad ging’s dann zuerst in einer ziemlich steilen Abfahrt auf rund 350 m
hinunter. Dort besuchten wir einen schönen Wasserfall in einem idyllischen
Seitentälchen, einige genehmigten sich da auch ein Bad bei etwa 18 Grad.
Zum Mittagessen waren wir zu Besuch bei einem dem Guide
bekannten Bauern. Wir durften uns ein Bild machen, wie bescheiden die
Landbevölkerung haust. Er musste das bei einer anderen Bekannten per Händy vor
zwei Tagen anmelden, diese begab sich dann mit dieser Mitteilung zu Fuss zur
Bauernfamilie, welche kein Telefon hat, es gibt aber auch keinen Handy-Empfang
hier oben. Es gab da mehrere Holzhütten, in einer befand sich die Küche, wo auf
einer offenen Feuerstelle gekocht wird. Der Kaffee wird in einer vorsintflutlichen
Mühle gemahlen. Nebenan befand sich eine weitere Hütte, welche einen Raum
umfasste, worin gewohnt und geschlafen wird. Die ganze Familie lebt somit in
einem einzigen Raum, von Privatsphäre keine Spur. Etwas abseits gab es eine
weitere Feuerstelle, die mich an den Korea-Ofen bei der Schweizer Armee
erinnerte… darauf schmorte ein extra für uns zubereitetes Spanferkel. Das
Mittagessen wurde dann in einem beschatteten Unterstand serviert und war
wirklich gut.
Nebst dem Spanferkel gab es Reis mit Bohnen, gekochten Maniok, einen Salat mit Gurken und Tomaten, als Vorspeise geröstete Kochbananen und zum Dessert Käse mit Konfitüre. Nun ja, die Mischung scheint etwas speziell zu sein, aber das sei hier so üblich. Alles stammte übrigens aus eigenem Anbau! Dazu begleiteten uns das Mutterschwein, die Hofhunde und eine grössere Hühnerschar.
Der weitere Weg führte uns meist abwärts mit kleineren
Gegensteigungen bis nach Manicaragua. In diesem verschlafenen Städtchen scheint
einmal mehr die Zeit mindestens hundert Jahre stehen geblieben zu sein – Die
Foto des öffentlichen Nahverkehrs per Pferdekutsche sagt alles…
Schliesslich verluden wir die Fahrräder und fuhren zum Hotel
in Santa Clara, unterwegs besichtigten wir noch die Che Guevara-Gedenkstätte.
Im Mausoleum sind auch die Gebeine dieses Volkshelden aufbewahrt, welcher 1968
in Kolumbien ein nicht so rühmliches Ende nahm. In gewissen Ländern macht man
eben mit Aufwieglern kurzen bzw. gar keinen Prozess. Das Museum ist jedoch am
Montag geschlossen, weshalb wir uns den Besuch desselben schenkten.
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